JO Skihochtourenlager Ostern 2026 03.  - 06. 04. 2026

JO, Tourenberichte

Freitag – Mittler Tierbärg

Unser Lager startet mit einer Zugfahrt nach Meiringen. In Sarnen stösst unser Bergführer zu uns. Nach einer gemütlichen Fahrt über den Brünig steigen wir in Meiringen aus und machen uns (nach einem kurzen Umweg über den Avec) auf die Suche nach dem Alpentaxi. Voller Vorfreude fahren wir die Sustenpassstrasse hoch. Kurz vor der Schranke geht es nun auf den Skiern weiter in Richtung Steingletscher. Via mehrere Tunnels, die mit ihren Eiszapfen an Gletschertore erinnern, erreichen wir die Berglodge Steinalp – unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Dort können wir einiges im Zimmer deponieren, schnabulieren noch ein Wähenstück und laufen los zu unserer ersten Tour. Bei Traumwetter steigen wir in Richtung Mittler Tierberg auf, mit Blick auf das Sustenhorn und die Tierberglihütte. Es folgt eine wundervolle Pulverabfahrt, so dass es „stüübt“ und ein feines Znacht. Nach einem vergnügten Spieleabend gehen wir zufrieden ins Bett. Wir freuen uns auf weitere tolle Tage im Sustengebiet.

Samstag – Giglistock

Als wir heute Morgen in aller Frühe (um ca. 08:00 Uhr) aus dem Fenster geschaut haben, waren sich alle anderen Hüttengäste bereits draussen am bereit machen für ihre Touren. Sie hatten wohl auch guten Grund so früh loszueilen, vermutlich wollten sie den Nebel den ganzen Morgen geniessen können. Wir fanden es aber besser, zuerst gemütlich zu frühstücken und uns von Markus in der Spaltenrettung schulen zu lassen. Dies in der weisen Voraussicht, dass sich die Sonne erst gegen den frühen Nachmittag zeigen würde, und wir unsere Tour deshalb auch erst am späten Vormittag starten können. Und so kam es, dass Tim an diesem Tag (bereits ein erstes Mal) unter der Brücke über der Steiwasser im Seil hing und ihn die restliche „Mannschaft“ nach oben ziehen musste.

Und dann ging es gegen 11:00 Uhr los. Obwohl es neblig und grau war, starteten wir bereits mit Dampfbad-Feeling. Westlich im Tal am Chööbärgli (was das wohl heissen soll?) vorbei in Richtung Steinlimigletscher gingen wir eine Weile bis wir eine Mittagsrast machten. Da stellte sich heraus, dass auch Lorin den Trick mit den Rüebli zum Zmittag begriffen hatte. Grosszügig verteilte er sie an die hungrigen JO-Mäuler mit Vitaminmangel um sich herum. Dann packten wir am Fuss des Schafbergs die ersten grossen Höhenmeter nordwestlich in Richtung Brunnenstock an. Da zeigte sich nun endlich die Sonne und gewährte uns eine schöne Aussicht auf die nordwestlichen Ausläufer des Steingletschers. Gleichzeitg verwandelte sich aber auch unser Dampfbad in eine regelrechte Sauna und auf dem eher steilen Abschnitt nach oben konnten einige Teilnehmende ihren Sonnenbrand vom Vortag noch ein wenig perfektionieren. Pluspunkt: Unsere Spitzkehren waren schon einiges souveräner als noch am Vortag.

Schweissgebadet kamen wir nördlich des Brunnenstocks auf gut 2’600 Metern an und entschieden uns, abzufellen. Ein weiterer Aufstieg zum Giglistock wäre aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung wohl nicht klug gewesen. Die Abfahrt westlich des Murmetenstöcklis war anfänglich unerwartet gut, und wir konnten ordentlich shredden. Mit sinkender Höhe wurde der Schnee aber zunehmend nasser und bis zum tiefsten Punkt auf 1’600m bei der Wyssemad übten wir uns schon einmal im Wasserskifahren (oder so). Unsere Gratis-Outdoorsauna blieb aber eingeschaltet und so kam jemand auf die gute Idee, dass wir zurück bei der Hütte doch in der Steiwasser baden könnten (wer das wohl war?). Dieser kühlende Gedanke trieb uns an auf dem schönen Schlussanstieg durch einen Arvenwald, und so erreichten wir gegen 17:00 Uhr wieder die Berglodge Steinalp.

Da stellte sich heraus, dass der kühlende Bach zu Fuss schwerer zugänglich war, als unterwegs angenommen. Die JO Rossberg liess sich davon jedoch nicht beeindrucken, hatte sie doch am Morgen schon die Spaltenrettung mit Mannschaftsaufzug geübt. Zack, war das Seil installiert und schon liess sich der erste mutige JO-(Dinosaurier) am Gstältli in den Bach hinunter. Im Gegensatz zum Morgen trug er jetzt aber nur noch Unterhosen… Vier weitere mutige JO-Gestalten wurden nacheinander in das fliessende Eisbad hinuntergelassen und wieder hochgezogen. Es war fast so beeindruckend wie die Backflips der jungen Kinder am angrenzenden Hügel. Markus schüttelte zwar lachend den Kopf ob unserer Spinnerei, aber das hätten wir wohl auch getan, wenn wir wie er eine warme Dusche zur Verfügung gehabt hätten. Der „Rohrbruch“ in der Duschkabine der Berglodge schien nämlich seit mehreren Jahren zu bestehen… Glücklich, zufrieden und ein wenig müde genossen wir dann den Spaghettiplausch in der Hütte und machten uns früh auf den Weg ins Reich der Träume.

Sonntag – Sustenhorn

Am heutigen Morgen gingen wir nun wirklich in der Frühe um 6:00 Uhr los, respektive wir versuchten es. Ein Seil lag noch auf dem Trockner und eine Sonnebrille versteckte sich in der Jackentasche. Um diese Verzögerungen zu überbrücken, sangen wir mit Alina das Kinderlied von einem kleinen, frierenden Pingu im Schnee.

Der Weg führte von der Hütte in Richtung Steingletscher zu einem steilen Aufstieg, wo Markus sein verborgenes Können eines Strassenarbeiters auslebte. Er verwandelte den harten Weg in ein komfortables Aufstiegserlebniss mit grossen Wendeplätzen für die Spitzkehren. Oben am Hang gab es eine Pause mit Witzrunde wie: Der Schreiner arbeitet auf den Millimeter, der Zimmermann auf den Zentimeter und der Maurer hofft, dass er auf dem richtigen Grundstück arbeitet.

Weiter ging es zwischen dem Gwächten- und Sustenhorn auf den Steingletscher für die Mittagspause, bevor wir die letzten 600 Höhenmeter zum Gipfel in Angriff nahmen. Das Highlight des Aufsteigs war neben dem schönen Wetter und den segelnden Dohlen die mit Actionkameras ausgerüstete Skigruppe, welche sich bei ihren holprigen Schwüngen filmte.

Wir filmten zwar nicht, konnten das Fotoshooting auf dem Berg aber ebenfalls nicht sein lassen. Die Aussicht auf dem Sustenhorn war schlicht zu schön, um nicht in einem Viereckigen Kasten verewigt zu werden.

Für die Abfahrt ging es ganz im Stil von Markus nicht den Normalen Weg, sondern auf direktem Weg über den Gletscher unter dem heutigen Schneemotto: Gott gebe, dass es klebe, und es … Wie immer kurvte Lorin singend die bruchharstigen aber dennoch schönen Hänge herunter. Zusammen kurvten sogar soweit, dass wir einsehen mussten, dass die weitere Abfahrt zu riskant wäre. Also fellten wir an, stiegen nochmals den letzten Hang auf und traversierten am Seil über eine gefährdete Gletscherzone zurück auf eine sichere Route.

*Auflösung des Witzes: …klebte 😉

Gut sonnengebrätelt und zufrieden genossen wir zurück in der Hütte das Zvieri und das anschliessende letzte Abendmahl im ruhigen Esssaal. Dieser wurde nicht mehr beschallt von der wilden KiBe Gruppe, die ihren Tee auch gerne mal zu dritt mit einem ganzen Zuckerstreuer süsste.

Nach der abendlichen Schoggi von Tim und einigen Postkarte schlossen wir die Augen sowie auch die Nase, um im müffelnden Zimmer einzuschlafen. Dieses wird sich sicher auf den baldigen Abschied freuen.

Montag – Füffingersteck

Am Montagmorgen sind wir wieder früh aufgestanden. Nach einem zügigen Frühstück packten wir unsere Sachen – diesmal deutlich speditiver, und es wurde auch nichts vergessen. Gegen 6:20 Uhr machten wir uns gut gelaunt direkt bei der Hütte an den Aufstieg Richtung Fünffingerstöck.

Während wir die Morgendämmerung genossen, kamen wir an einem merkwürdigen Anblick vorbei: dem abgetrennten Kopf einer Gämse. Danach ging es weiter das schattige Couloir hinauf Richtung Gipfel, gesäumt von schroffen Felstürmen zu beiden Seiten.

Vor dem letzten steilen Anstieg über den Obertalgletscher montierten wir sicherheitshalber die Harscheisen. Auch unser persönliches „Pistenbullyteam“ – allen voran Markus – leistete wieder ganze Arbeit und erleichterte uns mit perfekt angelegten Wendemöglichkeiten die Spitzkehren.

Oben angekommen machten wir Rast auf einem kleinen Plateau unterhalb des Gipfels, von wo aus man einen guten Blick auf die Titlis-Baustelle und das Grassenbiwak hatte. Nach dem Abfellen erklommen wir schließlich den windigen Gipfel und machten ein letztes gemeinsames Gipfelfoto.

Danach ging es zurück zu unseren Skiern, und wir machten uns an die Abfahrt durch den sulzigen Schnee zurück zu unserer Unterkunft der letzten Tage. Dort packten wir unsere restlichen Sachen, die wir für die Tour nicht benötigt hatten, wieder ein und kehrten dem Steingletscher mit schweren Rucksäcken den Rücken.

Unten auf der freien Straße wartete bereits unser Alpentaxi, und mit originellem, urchigem Sound aus dem Radio von Eviva ging es schließlich talwärts zum Bahnhof Meiringen. Dort gönnten sich einige beim örtlichen Dönermann eine wohlverdiente Stärkung, bevor wir mit dem Panorama-Express zurück in die Zentralschweiz fuhren.

Ich möchte mich im Namen aller Teilnehmer ganz herzlich bei Alina, unserer Organisatorin, dem gesamten Leiterteam sowie bei Markus, unserem tollen Bergführer, für das großartige Lager bedanken, die das alles möglich gemacht haben.