Wandern
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„Wandern“ klingt so einfach, so harmlos – das ist es manchmal auch, aber nicht nur.
Sicherlich stehen beim Wandern nicht körperliche Höchstleistungen an vorderster Stelle. Die Wanderwege sind vielfach dergestalt, dass der Blick sich nicht ausschliesslich auf den nächsten Schritt konzentrieren muss. Er kann umherschweifen, die landschaftlichen Schönheiten bewundern, aufnehmen und speichern. Er kann den Blumen und Pflanzen am Wegesrand Beachtung und Aufmerksamkeit schenken. Der Blick kann umherschweifen auf der Suche nach Wildtieren, er kann sich bewundernd an der manchmal offenkundigen Geologie die Entstehungsgeschichte der Berge ausmalen. Der Blick kann sich weiten, dem Wanderweg vorauseilen und sich irgendwo im blauen Himmel verlieren.
Wandern ist natürlich nicht gleich Wandern, unter diesem Oberbegriff verstecken sich ungezählte Varianten.
Wie eh und je reizen natürlich prächtige Bergspitzen, die man erwandern kann und die einem, wenn man oben angekommen ist, jenes herrliche Gipfelgefühl vermitteln, das einen so leicht und schwerelos macht, weil man allen Alltagsballast in den Niederungen hat zurücklassen können. Aber Gipfelerlebnisse sind beim Wandern nicht die Hauptsache.
Passwanderungen, solche die nur zu Fuss bewältigen sind, vermitteln zudem das Gefühl, sich auf alten Pfaden zu bewegen, die über Jahrhunderte von unseren Vorfahren benutzt wurden, um Waren zu transportieren, auf eigenem Rücken oder dem der Maultiere und um Verwandtenbesuche zu machen. Kleine einfache Kapellen am Wegesrand zeugen oft davon, dass unsere Vorfahren sich der Gefahren in den Bergen bewusst waren, dass sie sich den Naturgewalten ausgeliefert fühlten, dass sie beschützt sein wollten und diesen Schutz oft von lokal verwurzelten Heiligen erflehten. Die Gedanken schweifen dann zurück in diese alten Zeiten und man fragt sich, was sich auf den oft mühsamen Wegen alles zugetragen haben mag, ob immer alle ihr Ziel erreicht haben mögen und ob vielleicht auch Schmuggler hier unterwegs waren, ganz zu schweigen von feindlichen Truppen und Armeen.
Wie schön können Wanderungen von Hütte zu Hütte sein, wenn man am Abend nach vielen Eindrücken und einem rechten Marschpensum in einer behaglichen Hütte miteinander am Tisch sitzen, Erlebnisse austauschen und die Kameradschaft pflegen kann.
Alpine Rundwanderungen, die etwas Know-how im Umgang mit Steigeisen, Pickel oder Seilsicherungen voraussetzen, sind Herausforderungen für jene, die sich zu den fortgeschritteneren Wandern zählen.
Die Themen unserer Wanderungen wechseln immer wieder. Manchmal wandern wir auf den Wegen irgendeiner bekannten Persönlichkeit, die in einem bestimmten Gebiet Bau- oder Kunstwerke hinterlassen hat, Brücken zum Beispiel oder dann bewegen wir uns auf den Spuren eines Mundartdichters. Und weil man sich beim Wandern ja meist in einer Kulturlandschaft bewegt, gibt es oft auch Sagen und Geschichten zu erzählen. Dadurch lebt die durchwanderte Gegend noch mehr, die Phantasie bekommt Nahrung und die Vorstellungskraft lässt Bilder auftauchen, die nach der Wanderung untrennbar mit dem durchwanderten Gebiet verbunden bleiben.
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